Anlagerichtlinien der GLS Bank im Bereich Mikrofinanz

Ziel des Fonds ist es, durch die Bereitstellung von Finanzierungsangeboten an lokale Mikrofinanzinstitute Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern, die sonst keinen oder nur begrenzt Zugang zu Finanzdienstleistungen haben, verlässliche und bedarfsgerechte Leih- und Sparmöglichkeiten anzubieten.

Der GLS Bank Alternative Investments - Mikrofinanzfonds hat den Anspruch, den Mikrofinanzsektor nachhaltig und unter Einbeziehung aller Kapitalformen zu befördern. Neben der weltweiten Refinanzierung von Mikrofinanzinstituten (MFI) durch Darlehen, beteiligt sich der Fonds (zukünftig) daher an ausgewählten MFI, die sich durch ihre soziale Mission besonders auszeichnen. Bei der Kreditvergabe an die MFI wird auf eine ausgewogene Streuung von großen, mittleren und kleineren MFI (Tier 1, 2 und 3) geachtet.

Transparenz über die Anlagekriterien, den Investitionsprozess und die getätigten Investitionen gegenüber den Investoren ist ein weiteres entscheidendes Kriterium des Fonds. Wir selbst können nicht vor Ort sein, und entsprechend nicht jede Investition überprüfen. Daher arbeiten wir ausschließlich mit renommierten Partnern zusammen, die uns bei diesen Aufgaben vor Ort unterstützen.

Investitionen in Mikrofinanzinstitute werden mit folgenden Instrumenten getätigt:

  • Erstrangige Darlehen in USD, EUR oder Lokalwährung an die MFI,
  • Teilnahme an syndizierten Darlehen mit weiteren Finanzinstitutionen (z.B. EBRD, IFC),
  • Nachrangdarlehen (bis zu 15% des Fondsvolumens) und
  • Eigenkapital (bis zu 5% des Fondsvolumens).

Die oben beschriebenen Anlageinstrumente unterliegen folgenden Bedingungen:

  • Kreditgröße ab 0,5 Mio. USD pro MFI (in Ausnahmefällen 0,25 Mio. USD)
  • Laufzeiten bis zu 4 Jahren für Darlehen
  • Laufzeiten bis zu 7 Jahren für Nachrangdarlehen

Bei der Vergabe von Finanzmitteln aus dem Fonds an die MFI werden folgende Punkte beachtet:

  • Die Laufzeiten der Kredite variieren zwischen kurz- , mittel- und langfristig.
  • Die Kredite haben einen festen Rückzahlungstermin.
  • Die Zinszahlung erfolgt mindestens halbjährlich.

Durch Mikrofinanzdienstleistungen darf kein Schaden für Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern und in deren Umfeld entstehen – das hat oberste Priorität für die GLS Bank. Um dies zu gewährleisten, führt das Fondsmanagement Untersuchungen über den Sättigungsgrad der Kreditversorgung vor Ort durch.

Vor Ort wird der Sättigungsgrad der Kreditversorgung kontrolliert. Deutet sich eine Überversorgung von Krediten an, oder besteht diese bereits, verzichtet das Fondsmanagement im Zweifel auf ein Engagement. Der Portfoliomanager achtet bei der Auswahl der MFI zusätzlich auf

  • eine hohe Kostentransparenz für die Endkreditnehmer,
  • ob ein System zum Kundenschutz etabliert ist,
  • ob die Mindestanforderungen den Client Protection Principles von Smart Campaign eingehalten werden.

Zusätzlich zu diesen Mindestanforderungen wurden Mikrofinanzspezifische Positiv- und Negativkriterien erstellt. Grundsätzlich gelten für Mikrofinanzinstitute höhere Anforderungen umso höher der Sättigungsgrad der Kreditvergabe vor Ort ist.

Zudem durchläuft jedes Mikrofinanzinstitut eine Vor-Ort Überprüfung der Arbeitsweise durch das Fondsmanagement.

Die Kreditvergabe durch den Fonds erfolgt,

  • wann immer möglich und
  • aus „Risiko-Ertrags-Gesichtspunkten“ angemessen
  • in Landeswährung

Über das entsprechende Hedging entscheidet das Fondsmanagement im Einzelfall. Entstehende Währungsabsicherungskosten trägt der Fonds.

Auswahlkriterien der GLS Bank im Bereich Mikrofinanz

Sozial-ökologische Bewertung

Abhängig von der Kreditsättigung der Region bzw. des Landes müssen die MFI unterschiedliche Kriterien für eine Finanzierung erfüllen. Die reine Kreditvergabe ist dann nicht mehr ausreichend. Je gesättigter und entwickelter der Markt, desto mehr Positivkriterien sind zu entsprechen. Die MFI müssen den Endkunden also einen höheren, zusätzlichen Mehrwert bieten.

Der Fonds unterliegt den allgemeinen Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen der GLS Bank. Spezielle Positiv- und Negativkriterien für Mikrofinanzinvestitionen werden durch den Anlagebeirat des Fonds kontinuierlich weiterentwickelt und geschärft. Ausschlaggebend ist, dass und ob ein Kriterium die Erfüllung des Missionstatements des Fonds fördert.

Die Positivkriterien orientieren sich zudem an den UN Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG).

Mikrofinanzinstitute mit folgendem Portfolio werden bevorzugt refinanziert:

  • Finanzierungen für Kleinst- und Kleinunternehmen, insbesondere in ländlichen Gebieten
  • Finanzierungsangebote für kleinbäuerliche Betriebe, Anpassung der Zins- und Tilgung an landwirtschaftliche Zyklen
  • Finanzierung von Aus- / und Weiterbildung
  • Finanzierung von Hauskauf oder -bau oder Sanierung von bereits bestehenden Unterkünften
  • Vergabe von Krediten für Wasserfilter, Solaranlagen, effiziente und rauchfreie Öfen oder ähnliche Produkten
  • Angebote oder Vermittlung von Sparkonten und/oder Mikroversicherungen
  • Beratungsangebot für Kund*innen zu wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Themen
  • Angebote für den gezielten Aufbau von Finanzdienstleistungen in unterversorgten Regionen 
  • Angebote für Frauen
  • Transparente Arbeitsweise

Eine detailierte Beschreibung der einzelnen Kriterien finden Sie unter den Investitionsbeispielen.

Für den Bereich Mikrofinanz hat die GLS Bank zusätzliche Negativkriterien formuliert:

  • Ausbeuterische Kinderarbeit
  • Raubbau in (Regen-)Wäldern (Alle Tätigkeiten die nicht auf eine nachhaltige Nutzung des Waldes ausgerichtet sind)
  • Produktion oder Dienstleistungen, die (Land-)Rechte von indigen Bevölkerungsgruppen gefährden oder verletzen
  • Intransparente Kostengestaltung für den Endkreditnehmer

Investitionsprozess

Positiv bewertet werden Mikrofinanzangebote, die an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort ausgerichtet sind. Auf Basis der Studie „Mikrofinanz in Entwicklungsländern“ hat die GLS Bank Anlagerichtlinien formuliert, die im Kooperationsvertrag mit dem Fondsmanagement festgehalten sind. 

Prüfende: GLS Bank und Anlagebeirat

Jedes Mikrofinanzinstitut (MFI) durchläuft einen umfangreichen ökonomischen sowie sozial-ökologischen Prüfprozess. So bewertet das Fondsmanagement u.a. das Geschäftsmodell, die Risikotragfähigkeit und die soziale Mission des MFI. Zudem prüft es das MFI auf seine Integrität und Identität. Strenge Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Korruption müssen etabliert sein.

Prüfende: Fondsmanagement (Frankfurt School Financial Services)

Vor Ort führt das Fondsmanagement persönliche Gespräche mit der Geschäftsführung, dem Management, Mitarbeitenden und einzelnen Kunden des MFI. Damit werden noch offene Punkte in der Prüfung beantwortet und bereits erhaltene Informationen des MFI verifiziert.

Prüfende: Fondsmanagement (Frankfurt School Financial Services)

Das Investment Commitee des Fondsmanagements prüft jedes MFI bevor es eine Investitionsempfehlung abgibt. Im Anschluss entscheidet die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) über die Empfehlung und über die Aufnahme von Kreditverhandlungen.

Prüfende: Fondsmanagement; KVG (IP Concept)

Der Anlagebeirat überprüft die Einhaltung der Anlagerichtlinien und entwickelt diese weiter. Neben der GLS Bank und dem Fondsmanagement sind Experten aus den Bereichen Menschenrechte und Entwicklungszusammenarbeit vertreten. Der Beirat tagt zweimal jährlich.

Prüfende: Anlagebeirat

Der Anlagebeirat

Er besteht aus Vertretern der GLS Bank, des Fondsmanagement sowie ggf. von der GLS Bank gewählten Expertinnen und Experten aus dem entwicklungspolitischen Kontext.

Aufgabe des Anlagebeirats ist es, in regelmäßigen Abständen (zunächst halbjährlich) die Anlagerichtlinien sowie die Zielallokationen des Fonds nach Regionen zu überprüfen und ggf. an aktuelle Entwicklungen anzupassen. Als Basis der Richtlinien gelten stets die Anlage- und Finanzierungsgrundsätze der GLS Bank.

Der Anlagebeirat prüft auf Grundlage des aktuellen Berichtes des Fondsmanagements halbjährlich die Einhaltung der sozial-ökologischen Ausrichtung des Fonds. So soll sichergestellt werden, dass die Kreditvergabe stets im Einklang mit den Anlagerichtlinien erfolgt und eine möglichst positive Wirkung durch eine stets sinnvolle Allokation des Kapitals in verschiedene Regionen erzielt wird. Der Anlagebeirat ist somit das Kontrollgremium des Fonds.

Rebecca Weber, Research Analystin bei der GLS Bank
Damian Pilka, Wertpapierangebotsentwicklung bei der GLS Bank
Caroline Kremer, DEG
Caroline Kremer, Vizepräsidentin Nachhaltigkeit bei der DEG
Antje Schneeweiss, Südwindinstitut
Antje Schneeweiß, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Südwind e.V.
Silvia Kreibiehl, Leiterin UNEP Centre International Advisory Services bei der Frankfurt School of Finance & Management gGmbH
 

Fondsmanagement

Das Fondsmanagement setzt die Anlagerichtlinien und Investitionskriterien des GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds um und ist damit für das operative Tagesgeschäft des Fonds zuständig.

Die Frankfurt School Financial Services GmbH (FSFS) ist eine Tochtergesellschaft der Frankfurt School of Finance & Management mit Sitz in Frankfurt. Zu ihren Geschäftsfeldern zählen Asset Management, Capital Solutions & Corporate Finance. DIE FSFS ist durch die BAFIN und CSSF lizenziert und als Portfolio Manager qualifiziert. Seit einem Jahrzehnt ist die FSFS im Mikrofinanzsegment beheimatet. Durch die langjährige Erfahrung verfügen ihre Mitarbeitenden über eine ausgeprägte Sensibilität für Kontroversen im Mikrofinanzbereich. Zudem ist die FSFS mit eigenen Regionalbüros in den Zielländern gut positiontiert.

Darüberhinaus verfügt sie über eine 20-jährige Erfahrung in Beratungs- und Schulungsdienstleistungen für Finanzinstitute in Entwicklungsländern.

Ausgewählte Meilensteine

  • 2005: Aufbau & Entwicklung des European Fund for Southeast Europe (EFSE)
  • 2007: Ersten Mikrofinanzfonds strukturiert und aufgelegt
  • 2011: Ersten Retail-Mikrofinanzfonds in Deutschland „Invest in Visions“ aufgelegt

Mehr Informationen zur FSFS erhalten Sie auf der Homepage.